Kaiser-(Luschen-)Tour

Eigentlich eine Schande. Nur eine einzige Hüttentour in den Alpen dieses Jahr. Und dann auch noch eine Bergwanderung, die vom DAV mit extra Flyer und offizieller Website-Info beworben wird – entsprechend wartete mit der „Kaisertour“ kein Geheimtipp auf mich. Hinzu kommt noch: Keine Klettersteige. Keine Gratüberquerungen. Kein Gipfel über 2.000 Meter. Ein wenig enttäuscht war ich deshalb schon, als ich den Tourenvorschlag von meinen drei Mitstreitern geschickt bekommen habe. Aber ich will mich nicht beschweren. Ich hätte mich ja selbst drum kümmern oder einen eigenen Vorschlag machen und die Organisation übernehmen können. Habe ich aber nicht. Also halte ich die Klappe und nenne die Kaisertour einfach Kaiser-Luschen-Tour. Denn eine wirklich sportliche Herausforderung liegt nicht hinter mir. Dennoch sitze ich – in dem Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe – mit einem Lächeln im Zug zurück nach Hamburg. Weil ich wieder ein Anti-Alltags-Wochenende gehabt habe. Weil ich meinen Körper spüre und mir die Oberschenkel brennen wie Bolle. Weil ich immer noch irgendwie nach Berg und Abenteuer rieche (kann ich mir auch einbilden). Weil wir Vier einfach eine gute Zeit miteinander hatten – inklusive Sonnenschein. Und dass, obwohl ich mich die Tage erst so mit Petrus gezofft hatte. Doch selbst mein Groll mit Petrus geriet auf der 4-Tages-Tour entlang des Zahmen und des Wilden Kaisers von Zeit zu Zeit in Vergessenheit und deshalb gibt es jetzt für Euch zur Belohnung eine kurze Zusammenfassung der Tour, exklusive St. Bergweh Tipps und ein paar visuelle Eindrücke.

Kurze Zusammenfassung (im Detail gibt es das ganze ja wie bereits erwähnt in Merkels #Neuland):

  • Samstag: Mit dem ersten Zug aus Hamburg nach München, dann im Auto weiter bis nach Ebbs (Nähe Kufstein) und Aufstieg zur Vorderkaiserfeldenhütte (1.388m) – 990Hm hoch, 70Hm runter, 2,5h Gehzeit
  • Sonntag: Die anspruchsvollere Variante über Petersköpfl (1.745m), Einserkogel (1.924m), Zwölferkogel (1.912m), Elferkogel (1.916m), Pyramidenspitze (1.997m), Kaiserquelle (ausgetrocknet!), Hochalm (1.402m) und Feldalmsattel bis zum Stripsenjochhaus (1.577m) – 1.090Hm hoch, 900Hm runter, Gehzeit 7h
  • Montag: Abstieg ins Kaisertal über das Hans-Berger-Haus (936m) und Anton-Karg-Haus/Hinterbärenbad (829m) über den Bettlersteig bis zum Gamskogel (1.449m) und dann weiter zum Tagesziel Weinbergerhaus (1.272m) – 660Hm hoch, 1.070Hm runter, Gehzeit 5,5h
  • Dienstag: Einfache Variante über die Kaindlhütte (1.318m), Hochegg (1.470m) und Walleralm (1.171m) bis zur Bushaltestelle Steinerne Stiege (550m) – 340Hm hoch, 980Hm runter, Gehzeit 3,5h (dann mit dem Bus nach Ebbs, dem Auto nach München und mit dem letzten Zug zurück nach Hamburg)

St. Bergweh Tipps:

  1. Der Wilde Kaiser bietet sich für typische St. Bergweh Bewohner (also diejenigen, die nicht in der Nähe der geliebten Alpen leben) als kleines Eldorado für unkomplizierte Bergwanderungen und Klettereien einfach an: Mit dem Zug kann man selbst von Hamburg aus in etwas mehr als 7h in Kufstein sein und von da aus die erste Hütte zum Übernachten erreichen. Das gleiche rückwärts.
  2. Auf der Vorderkaiserfeldenhütte lohnt sich entweder noch am Abend oder anstelle eines Frühstücks die kleine Anstrengung der Besteigung der Naunspitze (1.633m), um von da aus den Sonnenuntergang/-aufgang inklusive herrlichem Blick auf den Wilden Kaiser und das Inntal zu genießen.
  3. Insbesondere wenn es warm ist, von der Vorderkaiserfeldenhütte zum Stripsenjochhaus genügend Getränke mitnehmen. Die auf dem Weg liegende Kaiserquelle führt kein Wasser mehr – dafür kann man aber mit etwas Glück auf der Hochalm von einem ziemlich chilligen Bauern ein paar kühle Getränke, einen Schattenplatz und ein paar coole Sprüche bekommen.
  4. Nach Ankunft am Stripsenjochhaus und kurzer Erholung unbedingt in der Abendsonne die gut 30min zum Stripsenkopf (1.807m) hochgehen. Auf dessen Spitze steht ein etwas skurriler Pavillon, dafür hat man aber einen genialen Rundumblick auf Zahmer und Wilder Kaiser sowie das Kaisertal. Das Stripsenjochhaus ist sowieso ein genialer Ausgangspunkt für Touren und Klettereien aller Art und Schwierigkeitsstufen. Sehr zu empfehlen.
  5. Statt zum Weinbergerhaus (für das schöne Zimmer und die gute Küche sprechen), kann man am dritten Tag auch bis zum Kaindlhaus weitergehen. Dann ist die letzte Tagesetappe kürzer bzw. man kann problemlos die anspruchsvollere Variante über den Scheffauer (2.111m) inkl. Klettersteig (Widauersteig, Klettersteigausrüstung und Helm empfehlenswert) wählen, selbst wenn man möglichst früh im Tal sein will, weil ggf. noch eine lange Heimreise auf einen wartet. Dann könnte man sich aber eine schöne Gebirgskammüberschreitung und einen zusätzlichen Gipfel ins Poesiealbum schreiben.

Visuelle Eindrücke:

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Ziemliche geile Hütte: Das Strip(senjoch)haus direkt auf der Reeperbahn... ähm... am Wilden Kaiser

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Ichsounterwegs mit meinem Privat-Helikopter: Blick auf die Naunspitze (und Kiefersfelden) von oben

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Wie bei einem guten Beziehungsstreit: Die Sonne nach dem Sturm - in diesem Fall über der Vorderkaiserfeldenhütte

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Eine interessante andere Variante einer wahrlich kaiserlichen Tour am Wilden Kaiser – die ganz nach meinem Geschmack gewesen wäre – findet Ihr in zwei Teilen bei Andreas von gipfelfieber.com. Hier geht’s zu Teil 1 und hier zu Teil 2.

9 Antworten zu “Kaiser-(Luschen-)Tour

  1. Kann auch ohne große sportliche Herausforderung schön sein, wie die Bilder beweisen!

    Das Rabenimitat habe ich auf der „Walkers Haute Route“ auch häufig gesehen. Ich glaub die korrekte Bezeichnung lautet Alpendohle :o) Freche Biester.

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  2. Sehr schöne Bilder👍Und auch nich ein WoW von mir das du dich in die Berge begeben hast bei der Hitze…
    Ich muss sagen ich glaube ich war auch mal da in der Nähe aber im Winter😄

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