BergNerdsHH #4: William Albright

Meinen heutigen Interviewgast und mich verbindet nicht nur die gemeinsame Bergleidenschaft und die Heimatstadt Hamburg. Auch er hat einen Weg gesucht, Seelenverwandte in der Hansestadt zu finden, um seine Passion mit anderen teilen zu können. Ich habe vor sechs Jahren St. Bergweh gegründet, William Albright aka Willi die Freeride Facebook-Gruppe Fischkoppriding. Wie es dazu kam und was sich daraus entwickelt hat, erfahrt ihr im folgenden Interview mit Willi, dem ab jetzt offiziellen Hamburger Berg-Nerd #4. Zuvor aber an dieser Stelle noch einmal kurz zur Erinnerung: In regelmäßigen Abständen möchte ich interessante Personen interviewen, die entweder in Hamburg aufgewachsen sind oder hier leben und die – wie alle Bewohner von St. Bergweh – eine große gemeinsame Leidenschaft haben: Berge und The Great Outdoors.

Hamburger Berg-Nerd #4: William Albright aka Willi (Foto: Alexander Pawlowski)

Wie würdest du dich deiner Schwiegermutter beim ersten Treffen vorstellen?
Ungefähr so: „Moin, ich bin Willi, ich versuche gerade mit Ihrer Tochter ein vollkommen freies und selbstbestimmtes Leben zu führen. Das mag für viele vielleicht klingen wie Träumerei oder Waghalsigkeit, aber ich glaube es lohnt sich.“

Gekauft. Und wer bist du wirklich?
Ich war bis vor kurzem Diplom-Ingenieur, hatte aber immer mehr das Gefühl, meine Lebenszeit gegen Geld und Sicherheit einzutauschen. Ich habe mich dabei ertappt, wie ich auf der Arbeit vom Skifahren und Surfen geträumt habe und habe in der Zeit auch nebenher einfach mal die größte norddeutsche Freeride Community „Fischkoppriding“ gegründet. Wahrscheinlich war das ein Ruf nach Freiheit. Seit einem Jahr habe ich den Job aber komplett an den Nagel gehängt und bin bei meiner Freundin in ihre Firma MYMARINI eingestiegen. Jetzt sind wir beide Surfbikini verkaufende, digitale Teilzeitnomaden – oder auch „The Rolling Seafarers“.

Jagdinstinkt: Willi sucht den Powder und wehe, er findet ihn… (Foto: Mareen Burk)

Seit wann bist du schon in Hamburg?
Ich bin ein waschechter Hamburg Jung. Wobei ich auch halb Ami bin. Da habe ich auch mal ein halbes Jahr gewohnt, es hat mich dann aber schnell wieder zurück in den deutschen Norden gezogen.

Was macht dich zu einem Hamburger Berg-Nerd?
Meine Oma war bei der Skipatrol in den Rockys, mein Vater Rennläufer, u.a. in der Schweiz. Meine Mutter ist mit ihrer Familie auch immer im Skiurlaub gewesen – war klar, dass wir Kinder dann auf Skiern standen, bevor wir eigentlich richtig laufen konnten.
Übers Parkfahren bin ich mit meinem Bruder und meinem Cousin langsam zum Freeriden gekommen. 2012 brach sich mein Cousin jedoch beim Freeriden kompliziert die Hüfte. Gleichzeitig hatte auch mein Bruder immer weniger Zeit, da er sich väterlichen Pflichten widmen durfte und muste. Das war ziemlich heftig für mich, weil ich sonst niemanden kannte, der auf ähnlichem Niveau wie ich im freien Terrain fährt. Zum Glück hatte ich schnell die Erkenntnis, dass ich nicht der Einzige in Norddeutschland sein konnte, dem es so geht – also ähnlich wie bei Dir mit St. Bergweh. Ich gründete die Facebook-Gruppe Fischkoppriding und die Mitgliedszahl steigt heute noch. Was Fischkoppriding ist, seht ihr am besten in diesem Video:

Man ahnt es schon: Berge haben für dich eine große Bedeutung.
Berge sind für mich tief verwurzelt mit meiner Familie. In Kolonne in den Skiurlaub zu fahren, die Drei ??? hörend und mit Walki-Talkis bewaffnet in den Bergen anzukommen, war schöner als Weihnachten zu feiern.
Berge sind aber gleichzeitig eine Möglichkeit, echt zu sein, real zu sein, in dem Moment zu sein. Du musst den Berg richtig einschätzen, du musst ihn respektieren, dann kann er zu dem besten Spielkameraden werden, den man sich vorstellen kann. Alle Gedanken sind dann wie weggespült. Es gibt nur das hier und jetzt – und vor allem die Glücksgefühle, die man jubelschreiend mit seinen Freunden den Hang runter teilen kann.
Ich gehe aber auch gerne Touren oder mal mit Zelt los. Das hat was sehr meditatives: Man wendet sich von der restlichen Welt ab, ist unter sich und hat Zeit für die eigenen Gedanken. Das ordnet das oft große Durcheinander im Kopf.

St. Bergweh BergNerdsHH #4 William Albright

On the run: Willi hat ziemlich krasse Freeride Skills – entsprechend schwer fällt es, passende Partner für seine Unternehmungen zu finden (Foto: Benjamin Eschrich)

Was war deine intensivste Bergerfahrung?
Ich könnte jetzt von einem Bulli großen, Indiana Jones artigen Felsbrocken erzählen, der uns bei einer Mixed-Tour am Mont Blanc entgegenkam, kurz bevor wir Hilfeschreie aus der gegenüberliegenden Wand hörten und wir drei Mal den Rettungshubschrauber rufen mussten, bis sie gerettet wurden. Aber intensiver war das Erlebnis, als ich mein erstes richtiges Big Mountain Face in Full Speed mit vier hintereinander folgenden Cliffdrops runtergedonnert bin. Die Bedingungen waren perfekt, mein Skibuddy und ich waren gut drauf. Wir haben Vollgas gegeben – immer hoffend, dass wir mit den Fotos, die wir mit dem Handy von der anderen Talseite aus gemacht hatten, die Line korrekt einstudiert hatten, um die richtige Abzweigung zu nehmen in dem Labyrinth von Felsen. Von oben konnten wir nämlich nichts mehr einsehen. Ich glaube unsere Jubelschreie hat man noch im Skigebiet auf der anderen Seite des Tals gehört.

Was tust du, wenn dich in Hamburg das Bergweh überkommt?
Durch die Fischkoppriding Facebook-Gruppe stöbern, zu unserem monatlich im Kaffee Stark stattfindenden Stammtisch kommen, den Powder Forecast checken, Skifilme gucken, Skifilme schneiden oder meine Skier wachsen.

Einfach machen: Willi hat nicht nur die Fischkoppriding Facebook-Gruppe gegründet, sondern initiiert und organisiert immer wieder spannende Events wie das Fischkoppriding Freeride Festival (Foto: Alexander Pawlowski)

Welche Tipps hast du für Hamburger mit Bergweh?
Werdet aktiv! Es tut richtig gut, ein eigenes Projekt auf die Beine zustellen, auch wenn es noch so klein ist. Ende November haben wir Fischkopprider zum Beispiel mit vielen freiwilligen Helfern einfach mal das 2. Fischkoppriding Freeride Festival im Freeridershop organisiert. Es gab unter anderem den ganzen Tag über Skiwachsworkshops, diverse Vorträge über Lawinensicherheit oder Fotografieren am Berg, einen Flohmarkt und zum Abschluss den Amateur Film Contest. So sah das Ganze übrigens noch 2016 aus, als wir das Fischkoppriding Freeride Festival als reinen Kurzfilm Contest im Volcom Showroom in der Hamburger Speicherstadt erstmals organisiert hatten:

Irgendwelche Shop-, Restaurant- oder sonstige Empfehlungen für echte Berg-Nerds?
Wir treffen uns wie gesagt jeden zweiten Montag zum Stammtisch im Kaffee Stark, zu dem jeder Gleichgesinnte – egal Ein- und Zweibrettfahrer – herzlich eingeladen ist. Einfach der Fischkoppriding Facebook-Gruppe beitreten und schon erfährt man, wann das nächste Treffen ansteht. Zum Shoppen kann ich den bereits oben erwähnten Freeridershop wärmstens empfehlen. Die Jungs haben ihren Shop aus Leidenschaft gegründet und das merkt man. Leidenschaft steckt auch seit mehr als 20 Jahren im Hamburger Snowboardverein Wild & Style: Die Kollegen machen gute Partys und organisieren spaßige Gruppenreisen für diejenigen, die vorrangig lieber in Skigebieten und Parks unterwegs sind als im Backcountry. Für Skitourengeher hat der DAV Hamburg einiges zu bieten. Zudem sollte man nicht den Warren-Miller Film verpassen, der einmal pro Jahr in diversen Kinos die Wintersaison eröffnet. Naja und seit letztem Jahr gibt es unseren Fischkoppriding Kurzfilm Contest, den wir dieses Jahr zum Fischkoppriding Freeride Festival ausgeweitet haben.

Keine Frage, sondern ein wenig Platz für etwas, was du loswerden möchtest:
Sharing is caring! Skiers & Snowboarders unite! Mehr Leude is mehr als ein Leud! Powder for everybody!

St. Bergweh BergNerdsHH #4 William Albright

Steilgehen: Im Fall von Willi wohl eher steil abfahren (Foto: Mareen Burk)

Möchtest du noch jemanden grüßen, hier ist Platz dafür:
Ich grüße alle Fischkopprider, alle Supporter, meine Familie, meine Sponsoren und meine Freundin Mareen, die mich immer großartig bei allem unterstützt!

Und da jeder St. Bergweh Artikel mit einem Song endet, welches Lied sollte unter diesem Interview stehen und warum?
New Error von Moderat! Die Musik treibt mich an und bringt mich dazu, unnachgiebig meine Sachen voranzutreiben. Im Sommer ist es selbst für mich manchmal schwierig, sich zu motivieren, etwas fürs Skifahren zu tun. Moderat hilft mir dabei!

Tipp: Folgt Willi via Instagram unter @will_alright.

An alle St. Bergweh Leser: Du kennst einen echten Hamburger Bergsportverrückten? Oder bist selbst einer? Dann melde Dich doch bitte unter bjoern(at)st-bergweh.de

Eine Antwort zu “BergNerdsHH #4: William Albright

  1. Pingback: Willis interview on St. Bergweh | Rolling Seafarers·

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s