RAD RACE – Ein Arsch(t)ritt

Morgen (22.3.2014) ist es soweit: Im Rahmen der Berliner Fahrrad Schau startet mit dem „Last Man Standing“ das erste RAD RACE. Ihr erinnert Euch, ich hatte Ende letzten Jahres erstmals über die etwas andere Bike-Rennserie geschrieben und wenn Ihr den Artikel lest, versteht Ihr auch die Überschrift dieses Beitrags. Eingebettet in die Fixed Days werden Samstagabend erstmals Fixed Gear Biker auf einer Go-Kart-Bahn in Neukölln an den Start gehen und im KO-System den Besten des Tages ermitteln (Gefahren wird in kleinen Teilnehmergruppen und nur wenige Runden. Nach jeder Runde wird der letzte Fahrer aus dem Rennen genommen. Nur die schnellsten schaffen es in die nächste Runde. Im Finale wird dann nach jeder Runde ein Fahrer aus dem Rennen genommen, bis nur noch der „Last Man Standing“ übrig bleibt). Geile Scheisse, wie ich finde. Entsprechend sind auch schon alle Teilnehmerplätze vergeben, aber auch als Zuschauer dürfte sich die Veranstaltung lohnen (kostet übrigens keinen Eintritt, nur wenn Ihr zur Fahrrad Schau wollt, müsst Ihr ein paar Euro zusammenkratzen). Es stehen auch schon weitere Termine fest, zu denen man sich anmelden kann (u.a. Frankfurt, Münster sind in Planung):
Hamburg, 31.5.2014: Street Hunt
Hamburg, 9.8.2014: Last Man Standing
Karlsruhe, 23.8.2014: Street Hunt

Da bewegt sich was - und der BDR kann sich warm anziehen (Foto: RAD RACE)

Da bewegt sich was – und der BDR kann sich warm anziehen (Foto: RAD RACE)

Ich werde mich also morgen ins Auto setzen, von Hamburg nach Berlin tingeln und mir die ganze Sache mal genauer anschauen. Bericht folgt. Vorher habe ich aber noch was für Euch: Ingo Engelhardt, einer der RAD RACE Initiatoren, hatte den gepolsterten Arsch in der Hose, der nötig ist, um sich meinen knallharten Fragen zu stellen. Aber lest selbst, was Ingo über RAD RACE und damit über den ausgestreckten Zeigefinger in Richtung (über)organisierter Sport à la Bund Deutscher Radfahrer BDR, was die RAD RACE Initiative meiner Meinung nach ist, zu erzählen hat.

STB: Ingo, was Softes zum Einstieg: Wie kam es zu der Idee?
Ingo: Die meisten von uns kommen vom Rennradfahren, Triathlon und Single Speed. Wir haben als Münsteraner alle Rad(-sport) im Blut und wollten einfach immer schon mal selber eigene wilde Rennen an den Start bringen, die ein bisschen cooler sind als die klassischen Jedermannrennen. Nichts gegen andere Veranstaltungen, die ja auch mit sehr viel Herzblut organisiert sind. Wir sind einfach nur ein bisschen spitzer und jünger aufgestellt und nicht von Vereins- oder Verbandseite oder von einer Eventagentur organisiert. Wir machen alles selber und haben alle nebenher noch normale Jobs. Außerdem wollten wir immer schon mal unsere eigene Rad-Kollektion und eigene Klamotten entwickeln und produzieren. Also Apparel für Radfahrer machen, die wir selber gerne anziehen würden.

STB: Und dann bringt man einfach mal so eine eigene Rennserie an den Start?
Ingo: Es ist doch toll, was eigenes auf die Beine zu stellen, oder? Wir finden, dass es noch viel mehr selbstorganisierte Rennen geben sollte. Und hier meinen wir alternative Rennen für alle Radtypen. Wir haben uns da ja auch verschiedene Formate ausgedacht: Last Man Standing, Bergfest, Street Hunt, 42.195. Und wir werden uns da auch noch mehr ausdenken – Vorschläge sind im Übrigen immer willkommen.

STB: Warum das Ganze aber erst jetzt?
Ingo: Wir mussten vorher noch sparen (lacht)… Letztlich steckt nur – und ausschließlich – unser eigenes Kapital drin. Wir wollten Niemanden von außen mitreden lassen und haben daher keine Investoren. Als Sponsoren und Partner nehmen wir zum Start erstmal lokale Bike-Shops, Blogs und Bike-Crews mit an Board. Mit zehn Freunden haben wir jetzt die RAD RACE GmbH gegründet, so dass wir bei den Rennen einfach als Veranstalter versichert sind und auch den Städten gegenüber professionell auftreten können.

STB: Welches Feedback habt Ihr von den Leuten da draußen bekommen?
Ingo: Zu 99 Prozent ist das Feedback aus der Radszene super positiv. Alle freuen sich, dass coole Rennen, alternative Formate und neue Klamotten an den Start kommen. Unsere Mission „STOP RACISM – START RACEISM“ kommt auch klasse an. Die Kritik war bisher hauptsächlich darauf bezogen, dass wir nicht aus der Fixed Gear Szene kommen und dass unsere Startgelder zu hoch seien. Darauf können wir nur antworten: Wir haben auch nie behauptet, aus der Fixed Szene zu kommen, sondern dass wir eher vom Triathlon, Rennrad oder Single Speed kommen. Dass unser Premieren-Event im Rahmen der FIXED DAYS stattfindet, ist einfach purer Zufall. Und zu den Startgebühren: Die liegen zwischen 19 und 39 EUR. Das müssen sie auch, denn die Kosten für eine professionell organisierte Veranstaltung für unter 200 Personen sind einfach sehr hoch. Mit den Startgebühren können wir noch nicht mal unsere eigenen Kosten decken. Wir glauben aber an das Konzept und werden versuchen, Sponsoren dazu zu holen, die zu uns passen. So wollen wir sicherstellen, auch noch in ein paar Jahren coole, nachhaltige, professionell organisierte Rennen an Start bringen zu können.

STB: Und was denken klassische Sportverbände wie der BDR über Euch, denen Ihr mit Eurer Idee ja ganz schön ans Bein pinkelt?
Ingo: Gute Frage. Würden wir auch gerne wissen.

STB: Dann werde ich da wohl mal nachfragen müssen. Wie geht’s weiter? Was sind Euere Ziele?
Ingo: Ziel für 2014 ist es, eine Handvoll geile erste Events an Start zu bringen und mit Freunden eine coole kleine Firma aufzubauen – wenn möglich in allen unseren Formaten. Zudem haben wir mit AURORA eine fette Collabo am Start und unter anderem bei Nalini in Italien eine saucoole Kollektion produziert. Langfristig wollen wir die Events etablieren, neue Formate entwickeln, in ganz Deutschland coole Events veranstalten und einfach glückliche Starter bei unseren Events sehen.

STB: Ist das auch ein Modell, das sich auf andere Sportarten übertragen lässt?
Ingo: JA. Schaut doch mal, was im Laufsport passiert. Vor ein paar Jahren hätte sich niemand vorstellen können, dass 2014 Millionen Menschen auf der Welt Hindernisläufe über Stock und Stein, durch Matsch und Schlamm machen. Marathons und Cityläufe haben es dagegen total schwer gegen Formate wie den Tough Mudder oder den Fisherman’s Friend StrongmanRun zu bestehen. Sportler wie wir haben einfach Bock auf neue Herausforderungen…

Nur schön: Hamburg und mein Specialized Langster – wird Zeit, dass beide aus dem Winterschlaf erwachen

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4 Antworten zu “RAD RACE – Ein Arsch(t)ritt

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