Walker’s Haute Route: BTDT

„Been There Done That“, können Tim und ich jetzt gelangweilt antworten, wenn das Gespräch auf alpine Fernwegabenteuer wie die 15-tägige Wanderung von Chamonix nach Zermatt gelenkt wird. Denn statt für den im August sehr heißen und überlaufenen GR20 auf Korsika, hatten wir uns in diesem Frühjahr für die 180 Kilometer vom Mt. Blanc zum Matterhorn entschieden. Gesagt. Geplant. Gemacht. Getan.

Walker's Haute Route – been there done that: mehr als 180km, 11 Pässe und rund 12.000 Höhenmeter hoch und dann auch wieder runter in 15 Tagen

Walker’s Haute Route – been there done that: mehr als 180km, 11 Pässe und rund 12.000 Höhenmeter hoch und dann auch wieder runter in 15 Tagen

Ich habe mir mal die Mühe gemacht und bei Wondermags einen ausführlichen Reisebericht zu publizieren. Für mehr Infos empfehle ich Kev Reynolds‘ Guidebook „Chamonix to Zermatt – The Classic Walker’s Haute Route“ von Cicerone. Da steht echt alles drin und bei gutem Wetter braucht man auch keine Detail-Karten. Nächstes Frühjahr soll auch ein Rother Wanderführer auf deutsch rauskommen. Keine Ahnung, ob sich das warten lohnt. Außerdem gibt es auch sehr hilfreiche Erfahrungsberichte im Netz. Hier nur eine kleine Auswahl zum Weiterlesen: Steph Abegg (englisch, aber sehr detailliert) und Awesomatik (deutsch und sehr kurzweilig).

Vor ein paar ausgewählten Pics, hier noch meine zehn wichtigsten Erkenntnisse der Tour:

  1. Stöcke sind unverzichtbar, wenn man nicht nach wenigen Tagen aufgrund der langen Abstiege von Knieschmerzen gequält werden will.
  2. Lasst die Lieblingsmüslischale oder den aktuellen Konsalik-Roman zu Hause. Jedes Gramm zählt. Mein Rucksack brachte ca. 9 Kilogramm + Wasser und Essen auf die Waage. Mehr ist Frust. Daran ändert dann auch das Frühstück aus Eurer geliebten Müslischale nichts.
  3. Allein ist man selten. Insbesondere nicht auf den Teilstrecken, die man sich mit der Tour du Mt. Blanc oder der Tour Monte Rosa teilt. Da muss man durch. Oder man hängt nicht so sehr an dem Guide und baut sich eigene Varianten.
  4. Der John Muir Trail war deutlich härter. Wahrscheinlich wegen des höheren Rucksackgewichts (Komplette Selbstversorgung über mehrere Tage) und die Anfangs schlaflosen Nächte wegen möglicher Bärenattacken (zumindest in meiner Vorstellung).
  5. Beim nächsten Mal würde ich mehr Berghütten und da vor allem Selbstversorgerhütten in die Tourenplanung einbauen. Die Nächte im Tal haben einen doch immer wieder zurück in die Zivilisation geholt, der man ursprünglich ja entfliehen wollte.
  6. Die Schweiz ist voll mit wunderschönen, beeindruckenden Gletschern. Das hatte ich gar nicht so auf dem Schirm. Muss man mit eigenen Augen gesehen haben.
  7. Schuhwerk: Tatsächlich sind meine Hanwag Yukon too much gewesen. Ein leichterer Trekkingstiefel wäre besser (weil leichter eben) und vollkommen ausreichend gewesen. Ein Schuh gänzlich ohne Knöchelhalt wäre mir aber zu riskant. Umknicken geht schnell und dann ist die Tour frühzeitig zu Ende.
  8. Man kann den Trail auch alleine laufen, denn man trifft immer nette und interessante Menschen. Zu zweit macht es aber mehr Spaß. Besonders wenn man einen so tollen und unkomplizierten Begleiter hat wie ich. Danke fürs Teilen dieses genialen Abenteuers, Tim.
  9. Organisation und Disziplin sparen nerven. Verteilt Euer Equipment in kleine (wasserdichte) Packsäcke und die Rucksacktaschen. Und haltet Euch auf der gesamten Tour dran. Es ist der Obernerv, wenn Ihr unterwegs den Kameraakku oder vorm Schlafengehen im dunklen Matrazenlager die Ohrstöpsel sucht. Apropos Ohrstöpsel. Wer die vergisst, ist selbst schuld. In jeder Hütte gibt es mindestens einen schnarchenden Australier.
  10. Wenn ich das mit dem Tourengehen mal raus habe, mache ich die Winter Haute Route. Hand drauf.

So. Und jetzt die Bilder…

Refuge Les Grandes: Ich so am chillen mit Blick auf den Glacier du Trient und den Pass, über den wir am nächsten Tag müssen (Fenêtre d' Arpette)

Refuge Les Grandes: Ich so am chillen mit Blick auf den Glacier du Trient und den Pass, über den wir am nächsten Tag müssen (Fenêtre d‘ Arpette)


Fenêtre d' Arpette: Blick ins Val d' Arpette

Fenêtre d‘ Arpette: Blick ins Val d‘ Arpette


Val d' Entremont: Ganz entspannt statt extrem (Insider) auf dem Weg nach Verbier

Val d‘ Entremont: Ganz entspannt statt extrem (Insider) auf dem Weg nach Verbier


Cabane du Mont Fort: Room with a view für meinen Begleiter Tim und mich

Cabane du Mont Fort: Room with a view für meinen Begleiter Tim und mich


Cabane du Mont Fort: Sonnenaufgang über und gleichzeitig unter den Wolken im Mt. Blanc Massif

Cabane du Mont Fort: Sonnenaufgang über und gleichzeitig unter den Wolken im Mt. Blanc Massif


Sentier des Chamois: Tim auf der Suche nach Steinböcken und Gämsen

Sentier des Chamois: Tim auf der Suche nach Steinböcken und Gämsen


Sentier des Chamois: Tim wurde fündig und wir werden beobachtet

Sentier des Chamois: Tim wurde fündig und wir werden beobachtet


Col de Roux: Ich glaube, hier spüre ich gerade, dass es schneien wird, wenn wir den Lac des Dix erreicht haben

Col de Roux: Ich glaube, hier spüre ich gerade, dass es schneien wird, wenn wir den Lac des Dix erreicht haben


Mt. Blanc de Cheilon: Und Glacier de Cheilon, den wir am nächsten Morgen heldenhaft bei -5°C überschreiten werden

Mt. Blanc de Cheilon: Und Glacier de Cheilon, den wir am nächsten Morgen heldenhaft bei -5°C überschreiten werden


Cabane des Dix: Eine der coolsten Hütten überhaupt – betrieben von ganz jungen Leuten und Ausgangspunkt für famose Bergtouren im Sommer und im Winter

Cabane des Dix: Eine der coolsten Hütten überhaupt – betrieben von ganz jungen Leuten und Ausgangspunkt für famose Bergtouren im Sommer und im Winter


Cabane des Dix: Panorama-Dusche – auch ohne sie benutzt zu haben, stellt sich bei mir schnell das Verlangen ein, irgendwann noch einmal hierher zurückzukehren

Cabane des Dix: Panorama-Dusche – auch ohne sie benutzt zu haben, stellt sich bei mir schnell das Verlangen ein, irgendwann noch einmal hierher zurückzukehren


Glacier de Cheilon: Sticker-Porn auf Tims Stöcken

Glacier de Cheilon: Sticker-Porn auf Tims Stöcken


La Sage: Es geht auch mit stahlblauem Himmel

La Sage: Es geht auch mit stahlblauem Himmel


Remointse du Tsaté: Für die Kühe hier eine Trinkgelegenheit wie viele andere – für uns eine

Remointse du Tsaté: Für die Kühe hier eine Trinkgelegenheit wie viele andere – für uns eine „Foto-Opportunity“ wie aus dem Lehrbuch


Cabane de Moiry: Gletscherblick inklusive und nach der Cabane des Dix die zweitbesuchenswerteste bewirtschaftete Hütte auf der ganzen Tour

Cabane de Moiry: Gletscherblick inklusive und nach der Cabane des Dix die zweitbesuchenswerteste bewirtschaftete Hütte auf der ganzen Tour


Col de Sorebois: Blick über das Val de Zinal mit Weißhorn und Co.

Col de Sorebois: Blick über das Val de Zinal mit Weißhorn und Co.


Irgendwo im Turtmanntal: Ab hier wird deutsch gesprochen – ok schwiizerdütsch

Irgendwo im Turtmanntal: Ab hier wird deutsch gesprochen – ok schwiizerdütsch


Schnucki und ihre Kumpels: Extrem angriffslustig die Drei und keine Heidi da, die uns retten könnte

Schnucki und ihre Kumpels: Extrem angriffslustig die Drei und keine Heidi da, die uns retten könnte


St. Bernard: Der Patron der Alpen auf dem Europaweg

St. Bernard: Der Patron der Alpen auf dem Europaweg


Mattertal/Europaweg: Auch wenn ein Teil des Europawegs wegen diverser Steinschläge nicht begehbar ist, bleibt er dennoch ein Erlebnis und ein perfektes Finale der Walker's Haute Route

Mattertal/Europaweg: Auch wenn ein Teil des Europawegs wegen diverser Steinschläge nicht begehbar ist, bleibt er dennoch ein Erlebnis und ein perfektes Finale der Walker’s Haute Route


Mattertal/Europaweg: Das scheint Tim ähnlich zu sehen

Mattertal/Europaweg: Das scheint Tim ähnlich zu sehen


Matterhorn: Zermatt ist ja hässlich as hell, aber ab und an merkt man doch den Bergsteiger-Spirit, der hier durch die Gassen zu ziehen scheint

Matterhorn: Zermatt ist ja hässlich as hell, aber ab und an merkt man doch den Bergsteiger-Spirit, der hier durch die Gassen zu ziehen scheint


Shaka: Hang loose mit unserem australischen Findelkind Robert, den wir am dritten Tag in unsere kleine Familie aufgenommen und ins Herz geschlossen haben

Shaka: Hang loose mit unserem australischen Findelkind Robert, den wir am dritten Tag in unsere kleine Familie aufgenommen und ins Herz geschlossen haben

19 Antworten zu “Walker’s Haute Route: BTDT

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  7. Ich kenne die Haute Route nur aus dem Winter und ausser der dem Lac des Dix habe ich kaum was wiedererkannt. Cabane des Dix bleibt mir auch herzlich in Erinnerung, lag bei euch auch ständig so ein netter süßlicher Geruch in der Luft? 😉

    Ich habe das Ganze auch in Schriftform festgehalten. Die Tour war der ausschlaggebende Punkt für mich, mein Blog zu starten, denn es gab online kaum brauchbares Material zur Planung und das wollte ich ändern:

    https://www.istdochallesnursport.de/bericht-skitour-haute-route-teil-1.html

    Nachdem wir vor drei Jahren die leichte Variante nehmen mussten, starten wir wohl an Fasching einen neuen Versuch. Natürlich wieder mit Winterraum, wenn die Hütten offen haben ist es einfach zu voll.

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    • Das muss ich mir glatt mal anschauen, denn natürlich ist die klassische Wintertour jetzt auch auf meine Bucketlist gerückt 🙂 Lass mal hören, ob das an Fasching geklappt hat!!!

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  8. Hey Björn,
    gelegentlich geraten die Alpen bei mir als spannendes Tourenziel zu unrecht in Vergessenheit. So schöne Beiträge wie deiner ändern das zum Glück regelmäßig wieder. Kurz, knackig und mit tollen Bildern ist das die Anschubmotivation um einmal mehr in die Natur zu starten. Gefällt!

    Viele Grüße,
    Hagen

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  9. Hallo Björn,

    ja leck mich am A.sch… Geiler Stoff und noch schönere Fotos, aber wieso ist der nicht als mehrteilige Artikelserie hier auf deinem Blog?

    Das ist doch schade um den Content und die guten Fotos…

    Gruß Mario

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    • Hey Mario, bei ersterem kann ich Dir nicht helfen 🙂 aber letzteres wäre eine Idee. Wollte halt mal was anderes probieren und fand den Magazingedanken mit schönem Layout und so irgendwie ausprobierenswert.

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  10. Hi Björn,
    ich erblasse vor Neid 😀 Ziemlich coole Bilder, da kann ich gut verstehen, wenn man die Tour mal gemacht haben sollte. Bislang kenne ich den Mont Blanc nur durch unsere Urlaube am Lac d´Annecy und daher vor allem nur von der Ferne. Durch die Gleitschirmfliegerei sieht man von oben zwar mehr, und wenn das Wetter passt kann man auch vom See weg in die Berge fliegen. Dort mal zu wandern, wäre der Wahnsinn. Vermutlich würde ich aber dann besser nicht meinen 17 kg Rucksack mit der Flugausrüstung mitschleppen 😉
    Einer Serie von dieser Tour / solchen Touren, kann ich Mario nur zustimmen! 🙂
    Viele Grüße,
    Bianca von lebedraussen

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  11. Der Europaweg scheint ja wirklich ein Highlight eurer Route gewesen zu sein. Aber auch die anderen Bilder hauen einen förmlich von den Socken. Das Wetter scheint euch ja auch hold gewesen zu sein.

    Zermatt finde ich allerdings im Winter durchaus schön… zumindest, wenn man sich Menschenmassen wegdenkt. Aber das ist ja immer Geschmackssache und letztlich kommt es ja auch die Natur drumherum an!

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    • Der Europaweg war schon ein ziemlich cooler Teil des Trails, allerdings bin ich mir gar nocht so sicher, ob man den aktuell noch gehen kann. Es gab immer wieder Probleme mit gefährlichen Steinschlägen. Es hatte verhältnismäßig wenig Regentage, aber es war auch selten knallblauer Himmel ohne Wolken – ideal zum Fotografieren also. Das Problem mit Zermatt ist wohl dem intensiven Naturerlebnis der vorherigen Tage geschuldet. Da nerven der Rummel und die Bettenburgen halt schnell. Und drumherum ist es natürlich erste Sahne 🙂

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