Mach’s einfach mal anders

Ich lebe jetzt seit fast zehn Jahren in Hamburg. Andere haben ihr ganzes Leben hier verbracht. Wieder andere entdecken die Stadt gerade erst. Und dann gibt es noch die, die noch nie in der selbsternannt „schönsten Stadt der Welt“ waren. Egal, zu welcher Gruppe ihr euch zählt – und eigentlich egal, um welchen Ort es sich handelt – ich habe einen Tipp für euch: Verlasst mal bewusst die ausgetretenen Pfade und probiert mal was Neues aus, auch – oder gerade – in eurer Heimatstadt. Ihr werdet in jedem Fall mit einer neuen Erfahrung belohnt. Als kleine Motivation habe ich euch mal fünf Dinge rausgesucht, die ihr diesen Sommer in Hamburg auf jeden Fall einfach mal anders machen solltet. Ich bin auf eure Meinungen und Ergänzungen gespannt. Los geht’s:

Gewohnte Orte einfach mal mit anderen Augen betrachten: Hamburg ganz anders

Gewohnte Orte einfach mal mit anderen Augen betrachten: Hamburg ganz anders

1. Rad Race statt Cyclassics
Bei Radrennen und Hamburg fallen jedem zuerst die Cyclassics ein. Dieses Jahr feiert Europas größtes Radrennen, bei dem dank Jedermann-Kategorie wieder über 20.000 Fahrer und Fahrerinnen teilnehmen werden, 20-jähriges Jubiläum. Gratulation. Und Zeit, mal was anderes zu machen. Zum Beispiel an einem der beiden Rad Race Events in Hamburg und Umgebung teilzunehmen: Am 13. August 2016 findet auf dem Heidbergring (einer Outdoor-Gokartbahn) in Geesthacht das Rad Race Last Man Standing / Last Woman Standing statt – ein Ausscheidungsrennen über mehrere Läufe, bei dem in jeder Runde der Letztplatzierte aus dem Rennen genommen wird. Der schnelle Rundkurs ist offen für Rennräder, Fixed Gear und Single Speed. Alternative für Sprinter: Am 20. August 2016 kann man sich im Rad Race Battle auf der 200 Meter langen Zielgerade der Cyclassics richtig austoben. Der Modus ist Mann gegen Mann bzw. Frau gegen Frau. Der oder die Schnellere ist eine Runde weiter. Egal auf welchem Bike. Alle Radtypen fahren gegeneinander. Fun Fact für alle Traditionalisten: Hinter Rad Race stecken ein paar Jungs und Mädels aus Hamburg und Münster. Die Hamburg Cyclassics gehören mittlerweile dem chinesischen Konzern Dalian Wanda.

2. Millerntor Gallery statt Kunsthalle
Kaum ein kunstinteressierter Hamburger oder Hamburg-besucher kommt um die Kunsthalle herum. Prominent neben dem Hauptbahnhof gelegen, wurde sie in den letzten zwei Jahren für ca. 22 Millionen Euro umfassend saniert und rund 20.000 Menschen nutzten das Eröffnungswochenende Ende April/Anfang Mai 2016 für einen Besuch. Kann man machen. Muss man aber nicht. Alternativ könntet ihr mal bei der Millerntor Gallery vorbeischauen, die von 14. bis 17. Juli 2016 zum nunmehr sechsten Mal im Stadion des FC St. Pauli stattfinden wird. Die Millerntor Gallery ist ein Kunst- und Kulturfestival mit genreübergreifenden Kunstwerken sowie vielfältigen Musik-, Kultur- und Bildungsprogrammen. Hier ein kleiner bildhafter Eindruck von letztem Jahr. Die Einnahmen des Kunstverkaufs gehen zu 30% an die unterstützenden Künstler und Künstlerinnen. Den Löwenanteil von 70% bekommt Viva con Agua e.V., die sich weltweit um eine bessere Wasser- und Sanitärversorgung bemühen.

3. Waterkant Tour statt Stadtrundfahrt
Man sieht sie wirklich an jedem touristischen Hotspot, der irgendwie mit dem Auto erreichbar ist: Die roten Doppeldecker-Busse sind das Sinnbild für kommerzielle Stadtrundfahrten. Für manche sind sie die einfachste Möglichkeit, um die Stadt in möglichst kurzer Zeit kennenzulernen. Für andere sind sie einfach nur eine klassische Touristenfalle. Wer Hamburg echt erfahren will, der checkt mal das Angebot von Waterkant Touren, die seit 2014 alternative Stadtrundfahrten in alten VW Bussen anbieten. Hinter Waterkant Touren „…verbirgt sich die Annäherung an die Stadt aus nicht alltäglichen Blickwinkeln sowie die Kooperation mit ausgewählten lokalen Unternehmen. Wir haben eine kleine Flotte außergewöhnlicher VW Bullis, ein Team, das Hamburg liebt und lebt sowie eine außergewöhnliche Stadt voller Möglichkeiten“, so beiden Gründer von Waterkant Touren, Steffen und Jan. Und wer würde nicht lieber mit Jolante, der T3 Caravelle mit jeder Menge Patina, ihrem kleinen Bruder Roger (T4) oder Alois aus Österreich (T3) Hamburg entdecken, als in einen der roten Doppelstock-Sightseeing-Busse einzusteigen?

4. Wochenendkurztrip ins Allgäu statt nach Sylt
Zugegebenermaßen ist Sylt tatsächlich eine wunderschöne Insel. Und ich kann jeden verstehen, der ein sonnig warmes Wochenende nutzt, um dem Hamburg Großstadttrubel zu entfliehen und dort den Strand und die Natur zu genießen. Der Hype um die Nordsee-Insel, deren Umriss gefühlt an jedem zweiten Auto klebt – und wenn nicht, sind es die Sansibar-Säbel – geht für meinen Geschmack zwei Schritte zu weit. Wenn ein Quadratmeter Wohnraum gerne mal 15.000 Euro kostet, dann stimmt irgendwas nicht mehr so recht. Deshalb – und weil ich Berge sowieso lieber mag – setze ich mich am Freitagabend lieber in den Nachtzug nach Oberstdorf und verbringe zwei Tage im Allgäu. Zum Beispiel kann man hier einen Teil des Heilbronner Wegs abwandern – inklusive Hüttenübernachtung auf der DAV Rappenseehütte oder im Biwak irgendwo am Berg. Sonntagabend geht es dann mit dem letzten Zug zurück nach Hamburg, der kurz nach 1 Uhr in Hamburg ankommt. 2014 habe ich das mal gemacht und es hat bestens funktioniert, wie ihr hier nachlesen könnt.

5. Ink’n’Ride statt Osterstraßenfest
Wahrscheinlich kann man in Hamburg zwischen April und Oktober an jedem Wochenende zu mindestens einem Straßenfest, einem Festival oder einer „Für-was-auch-immer“-Parade gehen. Aber das will nichts heißen. Sowas wie Schlager-Move oder Harley Days sind nett ausgedrückt reine Geschmackssache und zum Fest aller Hamburger Feste, dem Hafengeburtstag, gehen sowieso nur diejenigen, die den Hafen noch nie bei einem Nightride mit dem Bike, einer morgendlichen Joggingrunde oder chillend auf einer Treppenstufe am Elbufer erlebt haben. Auch eines der bekanntesten Hamburger Straßenfeste, das Osterstraßenfest, lockt niemanden mehr hinter dem Ofen vor. Deshalb gebt doch einfach mal sowas wie der Ink’n’Ride eine Chance. Hier treffen sich Tattoo-, Bike- und Kunstszene zu einem spannenden, kreativen Mix. Als szeniger Event in einer Lagerhalle im Oberhafen gestartet, bitten die Organisatoren Ende August bzw. Anfang September 2016 ins Millerntorstadion (Termin abhängig vom Spielplan des FC St. Pauli 26.bis 28. August oder 9. bis 11. September).

Und jetzt viel Spaß beim Einfach-Mal-Anders-Machen im Sommer 2016. Weitere Tipps sind natürlich willkommen.

3 Antworten zu “Mach’s einfach mal anders

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